BAsics About Boilies

Kaum etwas wird beim Karpfenangeln mehr diskutiert als der Köder, denn letzendlich entscheidet er darüber, ob der Haken im Maul des Fisches landet oder nicht. Aber gibt es DEN ultimativen Köder, der
immer und überall fängt? Die Antwort auf diese Frage kann nur mit „Nein“ beantwortet werden, denn jedes Gewässer und jede Situation ist anders und erfordert andere Eigenschaften eines Köders. Mit der Geburtsstunde des Boilies in den 80er Jahren ist man dieser Anforderung jedoch einen großen Schritt näher gekommen, denn es gibt keinen Köder, der so viele Möglichkeiten der Variation zulässt. Angefangen vom Basismix, über die Form, Härte und Größe bis hin zu diversen Zusätzen in trockener und flüssiger Form, gibt es unzählige Kombinationsmöglichkeiten um den, für die entsprechende Angelsituation, perfekten Boilie zu erhalten. Diese große Vielfalt lässt jedoch auch viel Spielraum für Fehler, die im schlimmsten Falle den Fang des Traumfisches im letzten Moment vereiteln können. Daher sollen im Folgenden einige grundlegende Richlinien zur Wahl des richtigen Boilies und zum richtigen Umgang mit diesem vermittelt werden. Aufgrund der enormen Komplexität dieser Thematik, kann natürlich nicht jeder Punkt bis ins kleinste Detail vertieft werden, vielmehr soll ein grober Überblick
in die facettenreiche Welt der Boilies ermöglicht werden. Bevor über Zusätze, Extrakte, Größe und Menge nachgedacht werden kann, steht zunächst einmal die Frage im Raum, ob die Boilies selbst hergestellt werden sollen, oder auf eine bewährte, fertige Rezeptur -also Fertigboilies zurückgegriffen werden soll.
Aufgrund des großen Arbeits- und Zeitaufwands, sowie der zusätzlichen Kosten für die Hardware zur Herstellung eigener Boilies, greifen immer mehr Karpfenangler auf fertige Produkte zurück. Keine schlechte Entscheidung, denn so wird nicht nur wertvolle Zeit gespart, die man lieber am Wasser verbringen möchte, sondern man kann auch ohne große Erfahrungen in der Boiliekunde mit erfolgreichen und bereits Jahrelang bewährten Ködern fischen. Desweiteren geht der Trend in der kommerziellen Boilieproduktion ganz klar in eine positive Richtung, was die Qualität der einzelnen Produkte angeht. Dennoch gibt es hier noch gewaltige Unterschiede und diese meinen nicht die Differenzierung zwischen süß, gelb und fruchtig zu dunkel und fischig sondern vielmehr Unterschiede im Hinblick auf die Frische der verwendeten Zutaten, als auch deren Zusammensetzung in der jeweiligen Rezeptur. Daher lohnt sich ein genauer Blick hinter die Kulissen des jeweiligen Boiliproduzenten. Wird in der Firmenphilosophie in erster Linie Wert auf Frische und Qualität gelegt und nicht auf eine bunte, spektakuläre Verpackung, zahlt man am Ende auch wirklich für die Eigenschaften des Produktes und nicht für die reißerische Marketingkampagne des Herstellers. Denn jede Werbung hat Ihren Preis. Demnach muss ein teurer Boilie nicht unbedingt auch ein besserer Boilie sein, aber Qualität hat eben auch ihren Preis. Daher sollte man sich nicht von der Werbung blenden lassen und im Zweifelsfall das Produkt selber testen.
 
Hiermit ist nicht ausschließlich der Test am Wasser oder der Schnuppertest an der Tüte gemeint, sondern gerne auch der eigene Geschmackstest. Natürlich ist es nicht jedermanns Sache einen herben Fischboilie selbst zu verköstigen, das muss man aber auch nicht. Jeder Hersteller hat in der Regel auch eine oder mehrerer süße Varianten im Programm, welche schon eher zum Selbstversuch einladen. Schmeckt nun dieser süße Boilie auch wirklich süß und weist keinen bitteren oder gar scharfen Nachgeschmack auf, kann man davon ausgehen, dass auch die herben Varianten von ähnlicher Qualität sind. Übrigens muss der Boilie auch nicht komplett verzehrt werden, eine Geschmacksüberprüfung mit anschließendem ausspucken reicht völlig. Der oben erwähnte bittere oder scharfe Nachgeschmack deutet oft auf einen schlechten, bzw. zu hoch dosierten Konservierer oder einen billigen Sweenter hin, der nicht nur keinen positiven Effekt auf den Fisch hat, sondern diesen sogar vergraulen kann. Ein muffiger Geschmack eines Boilies deutet hingegen auf schlechte, also alte, überlagerte Zutaten hin. Schmeckt der Boilie fad, besteht er vermutlich größtenteils aus billigen Füllzutaten, wie diversen Getreidemehlen, die auf den Fisch kaum eine Wirkung haben.
Was sind denn jetzt Zutaten die eine positive Reaktion der Karpfen hervorrufen, also fressstimulierend wirken? Diese Frage fundiert zu beantworten, bedarf mehr Platz als es dieser Artikel zulässt. Trotzdem soll im Folgenden versucht werden, auf einige wirksame Bestandteile kurz einzugehen.
Den Karpfen stimuliert, was er von Natur aus mit Nahrung in Verbindung bringt, d.h. in erster Linie Botenstoffe und Ausscheidungen von im Wasser lebenden Kleinstlebewesen, die auch einen Großteil der natürlichen Nahrung des Karpfen ausmachen, wie z.B. Zuckmückenlarven, Schnecken, Krebsen oder Muscheln. Die Stoffwechselprodukte dieser Tierchen bestehen unter anderem aus Kombinationen verschiedener L-Aminosäuren und anderen organischen Säuren, die vom Karpfen über seine Geschmacksrezeptoren wahrgenommen werden, bevor er das entsprechende Tier überhaupt eingesaugt hat. So kann er schon aus einiger Entfernung zwischen Fressbarem und nicht Fressbarem selektieren. Dies sollte man sich bei der Herstellung eines effektiven Köders natürlich zu Nutzen machen, indem Zutaten verwendet werden, die ebenfalls viele dieser attraktiven L-Aminosäuren aufweisen. Dies sind in erster Linie tierische Produkte, wie diverse Fisch- und Krustentiermehle, aber auch tierische Nebenerzeugnisse, wie z.B. Lebermehl.
All diese Produkte  sind nicht ganz billig, gerade wenn dabei noch auf Frische und Qualität geachtet wird, von daher ist es klar, dass ein qualitativ hochwertiger Boilie seinen Preis hat. Die oben genannten Produkte gibt es z.T. auch in flüssiger Form wie z.B. Aminol (extrahiertes, enzymbehandeltes Fischprotein), Leberextrakt, GLM Liquid (extrahiertes Konzentrat der neuseeländischen Grünlippmuschel – weist ein sehr attraktives 
L-Aminosäurenprofil und einen hohen Anteil Betain auf), Krill Extrakt etc. All diese Produkte eignen sich auch hervorragend um die fertigen Boilies nachzubehandeln und somit noch attraktiver zu machen.
Hierzu werden die Boilies einfach mit einer ausreichenden Menge dieser flüssigen Extrakte übergossen und dann mindestens 12 – 24 Std. ziehen gelassen. So ziehen diese hoch attraktiven und fressstimulierenden Substanzen in die äußere Schicht der Boilies ein und hinterlassen von außen eine schnell lösliche, schleimige Hülle, welche direkt nach dem Eintreffen ins Wasser, die oben beschriebenen fressstimulierenden Signale an die Rezeptoren des Karpfens sendet. Mit diesem Verfahren kann man jeden Boilie in seiner Attraktivität deutlich aufwerten und somit letzlich einen schnelleren Biss erzielen.
Das Praktische an diesen tierischen Extrakten ist übrigens die Dosierung, aufgrund der Natürlichkeit können sie nicht überdosiert werden. Neben des Attraktorprofils eines Boilies ist seine strukturelle Beschaffenheit ebenfalls von großer Bedeutung. Ein Boilie mit sehr feiner Struktur lässt ein Auswaschen der Zutaten nur sehr langsam zu. Dieses Auswaschen ist jedoch sehr wichtig, damit die im Boilie enthaltenen, für den Karpfen attraktiven Stoffe, auch in das Umgebungswasser abgegeben werden können, denn nur wenn sie sich im Wasser lösen sind sie für den Karpfen auch wahrnehmbar. Demnach ist eine eher grobe Struktur einer sehr feinen klar vorzuziehen, wenn es um eine hohe Attraktorwirkung des Boilies geht. Neben dem Effekt einer besseren Diffusion (Auswaschung des Köders), verbessert ein grobes Grundgerüst des Köders auch die Darmdurchlaufzeit beim Karpfen. Dies ist gerade für die Gesundheit der Fische und einen langfristigen Erfolg von großer Bedeutung…oder ist Ihnen mit Verstopfung nach noch mehr Essen zumute?
In Punkto Härte gilt der einfach Grundsatz so weich wie möglich so hart wie nötig. Der Grund hierfür ist schnell erklärt: Ein weicher Köder unterstützt (genau wie eine grobe Struktur) das Auswaschen der Inhaltsstoffe und die Verdaulichkeit des Köders, demnach ist ein weicher Köder für den Fisch attraktiver. Ein wirklich harter Köder ist hingegen widerstandsfähiger und selektiver – kleinere Karpfen und Weißfische tun sich beim Versuch diese Köder zu fressen schwerer und verlieren schneller das Interesse. Außerdem können härtere Köder auch schon mal über 24 Std im Wasser liegen gelassen werden, ohne befürchten zu müssen, am Ende keinen Köder mehr am Haar zu haben. Dieses lange Liegenlassen eines Köders kann in manchen Situationen durchaus über fangen oder nicht fangen entscheiden. Folglich ist der ideale Härtegrad eines Köders sehr situationsabhängig. Es empfiehlt sich aber meist mit eher weichen Ködern zu starten und diese bei Bedarf durch ein Nachtrocknen härter werden zu lassen, so kann man flexibel auf verschiedene Gegegebenheiten reagieren.
Eine weitere Variationsmöglichkeit bei der Boiliewahl ist die Größe. Hier gilt ein ähnlicher Grundsatz wie bei der Härte – so klein wie möglich, so groß wie nötig. Da die natürliche Nahrung des Karpfens auch eher klein ist (Schnecken, Würmer, junge Muschel etc.) wird auch ein kleiner Boilie meist mit weniger Argwohn angenommen als ein großer. Außerdem kann bei gleicher Kg-Menge mit kleineren Köder eine größere Stückzahl gefüttert werden, als mit großen Boilies. Hierdurch kann der Fisch mehr Köder aufnehmen, bevor er auf den Hakenköder stößt, ohne zu sehr gesättigt zu werden – so erzielt man ein größeres Vertrauen beim Fisch, was diesen letztlich leichter fangbar macht. Muss man jedoch mit dem Wurfrohr weit hinaus oder will man die Selektivität weiter steigern, bietet sich ein größerer Durchmesser an. Auch hier muss man wieder situationsbedingt handeln und zwischen Attraktivität und Selektivität abwägen.
 
Hat man sich nun für den, für seine individuelle Situation, idealen Köder entschieden, bleibt noch die Frage, wieviel hiervon benötigt wird, um einen Platz für den Fisch attraktiv zu machen. Dies ist eine ähnlich Komplexe Frage, wie die Wahl des eigentlichen Köders und kann in diesem Rahmen ebenfalls nur kurz angerissen werden. Liegt der Köder genau an der Stelle, an der der Karpfen sowieso seine natürliche Nahrung findet (und da
sollte er nach Möglichkeit immer hin), reicht prinzipiell nur der Hakenköder aus, um einen Fisch zu fangen – eine hohe Attraktivität des Köders vorausgesetzt. Möchte man jedoch über einen längeren Zeitraum einen Platz befischen und hat man es nicht nur auf den einen Zufallsfisch abgesehen, kann es durchaus sinnvoll sein, den Platz mit einer größeren Menge Köder vorzufüttern. So steigt das Vertrauen der Fische in unseren Köder. Desweiteren erreichen wir mit einer, über einen längeren Zeitraum, regelmäßig eingebrachten Futtermenge auch mehr Fische, die unserem Futter mit zunehmender Dauer, als Teil ihrer Nahrung akzeptieren werden. Grundlage für ein solches Aufbauen eines Futterplatzes ist eine hervorragende Qualität der Boilies und eine situationsangepasste Menge. Hier gibt es kaum verwendbare Richtlinien, nach denen man vorgehen sollte. 
Als Anhaltspunkt für die Futtermenge sollten immer mehrere Faktoren berücksichtigt werden:
 
Fischbestand des Gewässers: Hoher Karpfenbestand und viele Weißfische = eher mehr Futter
Niedriger Bestand, kaum Weißfische = eher weniger Futter
Größe des Gewässers: Große Wasserfläche = mehr Futter, kleine Wasserfläche = weniger Futter
Wassertemperatur / Jahreszeit: kaltes Wasser = wenig Futter, warmes Wasser = mehr Futter
 
Anzahl und Vorgehensweise der Mitangler: Füttern viele Angler viel, ist wenig Futter oft besser, gibt es kaum angelnde Konkurrenz, kann etwas mehr nicht schaden. Die genannten Faktoren sind nur einige Variablen, die bei der Wahl der richtigen Futtermenge berücksichtigt werden müssen. Wichtig ist hier, möglichst alle Faktoren zu beachten und gegeneinander abzuwägen. Im Zweifel lieber etwas weniger füttern, nachlegen kann man immernoch. Außerdem schont das den Geldbeutel und unüberlegte Schüttaktionen haben nur selten den gewünschten Erfolg, vielmehr schadet man hiermit dem Gewässer und nicht zuletzt dem Ansehen der Karpfenangler, was am Ende zu neuen Verboten und Einschränkungen führt. Gerade bei der Futtermenge ist also enormes Fingerspitzengefühl gefragt. Instant, also ohne vorheriges Anfüttern ist generell eine eher kleinere Menge Futter, dafür aber von größt möglicher Attraktivität zu empfehlen. Hierbei soll der erste Fisch, der an den Platz kommt, möglichst schnell den Hakenköder aufnehmen. Liegen aber mehrere hundert Boilies um den Hakenköder verteilt, ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fisch unseren Hakenköder aufnimmt, natürlich geringer.
 
Alle oben stehenden Angaben und Tipps basieren auf persönlichen Erfahrungen und sind, wie bereits erwähnt, nur ein kleiner Auszug dieser komplexen Thematik. Dennoch hoffe ich, hiermit dem ein oder anderen bei seiner eigenen Entscheidungsfindung, den Köder betreffend, behilflich gewesen zu sein oder einfach das Interesse an dieser sehr interessanten Thematik geweckt zu haben…
 
Viel Spaß beim ausprobieren wünscht,
 
Martin Abels
Team R&L Baits